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Gründungsgeschichte der Pfarrgemeinde St. Winfried,

 

 

 Schon wenige Jahre nach der Wahl Bonns zum provisorischen Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland setzte im Bonner Süden eine rasante Entwicklung ein, die nicht nur den Sektor Regierungsbauten betraf. Auch beim Wohnungsbau zwischen der B 9, der sog. Diplomatenrennbahn, einerseits und er Gronau bzw. der späteren Rheinaue andererseits waren große Aktivitäten zu verzeichnen.

Zu den wenigen Alteingesessenen kamen viele hundert Neubürger; der Stadtteil entwickelte sich zum sog. „Johanniterviertel“ nach dem großen Johanniterkrankenhaus in seinem Zentrum.

Von Anfang an bedrückte es die alten und neuen Bürger, dass es praktisch an einer seelsorglichen Betreuung und an einem Kommunikationstreffpunkt mangelte. Die umliegenden Pfarreien St. Quirinus in Dottendorf, St, Nikolaus in Kessenich und St. Elisabeth in Bonn-Süd lagen alle jenseits der trennenden Bahninie mehrere Kilometer entfernt und waren mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht direkt zu erreichen.
Aus diesem Grunde bildete sich Ende der 50er Jahre eine Bürger-initiative zur Schaffung einer „katholischen Pfarrei am Bundeshaus“. Im Februar 1960 konstituierte sich ein Kirchbauverein. Vorsitzender wurde der Bonner Jugendseelsorger Kaplan Karl Schäper aus Poppelsdorf, der vom Erzbischof von Köln, Kardinal Frings, zum Rektoratspfarrer ernannt wurde.

In langwieriger und mühevoller Kleinarbeit schaffte man in den kommenden Jahren alle Problem zu lösen, so

  • die Genehmigung zur Gründung einer neuen Pfarrei durch die Erzdiözese
  •  die Bildung eines eigenen Sprengels in Zusammenarbeit mit den umliegenden Pfarreien
  •  den Erwerb eines geeigneten Grundstückes und die Veränderung des bestehenden Bebauungsplanes
  •  die Ausschreibung eines
    Architektenwettbewerbes für das emeindezentrum und Auswahl des zusa-
    genden Entwurfes
  • die Einholung der Baugenehmigung durch die Stadt Bonn; erteilt am 07.04.1961.
  •  die Namenswahl für „St. Winfried in Bonn“ mit Bezugnahme auf den Apostel der Deutschen, St. Bonifatius, der nahen Regierung zum Leibild für die künftige Politik im geteilten Deutschland
  • die Grundsteinlegung am 29. 10.1967
  • Kirchweihe am 15.12.1968.

Daneben galt es noch weitere wichtige Dinge zu regeln. Von beson- derer Bedeutung war die seelsorgliche Betreuung der Gemeinde. Im Zeichen des auch damals schon vorhandenen Priestermangels fragte die Erzdiözese bei den Orden an. Nach Absagen der Franziskaner und der Dominikaner sagten schließlich die Salesianer Don Boscos zu, eine Niederlassung hier zu gründen und neben der Seelsorge für die Pfarrei auch die für das Johanniterkrankenhaus zu übernehmen. Verhandlungsführer und Koordinator für die Absprachen war der da-malige Provinzial der Salesianer, Pater Wilhelm Diebold, der später dann bis zu seinem Tode auch in der neuen Niederlassung lebte und wirkte. Der Generalobere der Salesianer erteilte die Genehmigung, weil den Salesianern eine pfarreiübergreifende Jugendarbeit geneh-migt und ermöglicht wurde. Gründe hierfür waren die Nähe zu Re-gierungsstellen für Jugendprobleme und Entwicklungshilfe und zu den ausländischen Botschaften. Das war die grundlegende Entscheidung für die zukünftige Missionsprokur und auch für den Verein Jugend Dritte Welt.


Bei der Planung für die Kirche legte man sich fest auf ein Angebot von 200 Sitzplätzen; den Bau eines Kindergartens stellte man vorläufig zurück; eine Schule und eine Pfarrbücherei nahm man erst gar nicht in Angriff (aus heutiger Sicht ein gute Entscheidung). Die Finanzierung war ein gemeinsames Werk der Erzdiözese Köln, des Salesinanerordens und der Gemeinde, die für die gesamte Aus-stattung der Kirche zu sorgen hatte.

 

Bauarbeiten für St.-Winfried-Kirche begannen.
Das war eine Schlagzeile der Bonner Rundschau vom Mittwoch, 22. März 1967. Es war weiter zu lesen:
N
ach jahrelangem Warten war es am Montag so weit: Die Bauarbeiten am Neubau der St.-Winfried-Kirche an der Lohrbergstraße haben begonnen. Nach den Plänen des Bonner Architekten Toni Kleefisch ist mit dem Bau des Pfarrhauses begonnen worden, da die beiden unteren Stockwerke tiefer als Kirche und Sakristei liegen. In dem Gebäudekomplex wird, wie berichtet, auch die Missionsprokur der Salesianer Don Boscos untergebracht. In etwa vier Monaten hofft man, mit dem Bau der Kirche und des 21,5 Meter hohen Turms beginnen zu können. Das Modell der St.-Winfried-Kitche ist vorüber-gehend im Schaufenster eines Lebensmittelgeschäftes an der Friedrich-Ebert-Allee ausgestellt.

Kurz darauf war zu lesen:

Kirche und Kloster entstehen am Hang.
Die Grundsteinlegung für die neue Pfarrkirche St. Winfried in Dotten-dorf und für das zugehörige Salesianer-Kloster liegt nicht mehr in allzu weiter Ferne. Die Bauarbeiten machen wunschgemäße Fort-schritte. Schon ist das Kloster im Rohbau fertig. Gegenwärtig werden die Mauern der Kirche hochgezogen. Nach den Plänen von Architekt Kleefisch wird die neue Pfarrkirche für die junge St.-Winfried-Gemeinde 120 Sitzplätze umfassen. Da das Grundstück Hanglage hat, konnten unter der Kirche ein Pfarrsaal und ein Gruppenraum eingeplant werden.

 
Am 30.Oktober 1967 berichtete die Rundschau:
Grundsteinlegung für St. Winfried

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bonifatius’ Geist soll lebendig bleibenUrkunde und Münzen eingemauert – Kirche, Turm und Pfarrhaus bis 1968 vollendet?
Bei Sonnenschein, Wind und einigen Regentropfen wurde gestern der Grundstein zum ersten Gotteshaus im Bonner Regierungsviertel, der St.-Winfried-Kirche, die im Rohbau schon erstellt ist, gelegt. Dazu hatten sich Geistliche und Vertreter des Kirchenvorstandes der drei Mutterpfarreien: St. Elisabeth, St. Nikolaus und St. Quirin, Mitglieder der jungen Pfarrfamilie sowie Vertreter der Stadt Bonn an der Baustelle versammelt. Als nächster Nachbar der evangelischen Kirche und „ökumenischer Freund“, wie der Pfarrverwalter von St. Winfried, Pater Janssen, ihn nannte, war Bischof D. Hermann Kunst, Bevollmächtigter der EKD am Sitz der Bundesrepublik, gekommen, der die Grüße der evangelischen Christen überbrachte.


Die liturgische Handlung nahm Stadtdechant Hermann Josef Stumpe vor. Pater Janssen stellte den Patron der neuen Kirche als Apostel der Deutschen, St. Bonifatius, vor, der vormals den Namen Winfried trug. Sein großer Eifer um Glaube und Volk solle in der neuen Pfarrei lebendig bleiben.

Die Grundsteinlegung wurde in drei Teilen vollzogen: Segnung des Kirchplatzes, die Segnung des Grundsteins und die eigentliche Grundsteinlegung. Diese wurde nur noch symbolisch vorgenommen, da der zweieinhalb Zentner schwere Grundstein wegen seines Gewichtes schon eingemauert worden war.
Mit Münzen der Bundesrepublik und der Vatikanstadt wurde auch ein Urkunde eingemauert, die nach herkömmlichem Brauch Auskunft gab über die staatlichen, kommunalen und kirchlichen Regierenden zur Zeit des Kirchenbaues. Ehe sie in eine Hülle getan und verlötet wurde, unterschrieben die anwesenden kirchlichen und kommunalen Vertreter sowie die Mitglieder des Kirchenvorstandes.

 

Drei Hammerschläge

Die Grundsteinlegung fand mit den traditionellen drei Hammerschlägen und den samit verbundenen Wünschen der Gäste ihren Abschluß. Stadtdechant Stumpe hoffte, dass in dieser Pfarrei nach dem Vorbild von St. Winfried-Bonifatius die Einheit im Glauben erhalten bleiben wird. Ihm schlossen sich an Bürgermeister Kraemer, Oberstadtdirektor Dr. Hesse, Stadtdirektor Hüwel, Polizeipräsident Dr. Portz und Architekt Kleefisch. Bischof Kunst sagte: „Ich grüße Sie alle für die evangelische Christenheit in Deutschland. Gott der Herr bestätige in dieser Gemeinde seine Zusagen: Ich will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein.“

 St.-Winfried-Kirche feierlich eingeweiht – Reliquien der Stadtpatrone im Altar beigesetzt.

 

Bonner Rundschau 16. Dezember 1968
Für die Pfarrgemeinde St. Winfried war der dritte Adventssonntag ein festlicher Tag, auf den sie sieben Jahre gewartet hatte. Zum ersten mal wurde in ihrer neuen Pfarrkirche an der Lohrbergstraße das Mess-opfer gefeiert. Der Kölner Weihbischof Dr. Augustin Frotz hatte das Gotteshaus vorher feierlich konsekriert und es damit ausschließlich dem Gottesdienst geweiht.

 

An der Weihehandlung nahmen Oberbürgermeister Dr. Wilhelm Daniels und Oberstadtdirektor Wolfgang Hesse sowie zahlreiche prominente Mirglieder der Pfarrgemeinde teil.……… In einer feierlichen Prozession wurden anschließend die Reliquien der Bonner Stadtpatrone, Cassius und Florentius, des Pfarrpatrons St. Winfried (Bonifatius) und des Patrons der Salesianergemeinschaft, Don Bosco, in die Kirche getragen. Bischof Frotz setzte die Gebeine dann im Altar bei und vermauerte das Grab mit einem Stein. In jedem Altar, auf dem das Messopfer gefeiert wird, muß sich ein Reliquiengrab befinden. …… ……Im Anschluß an die Konsekration feierte der kirchliche Würdenträger in Konzelebration mit zwölf Geistlichen, zusammen mit der Gemeinde, das erste heilige Meßopfer in der Kirche. In seiner Predigt ging der Kölner Weihbischof von der Lesung und dem Evangelium des Sonntags aus und stellte die Frage, ob denn der Mensch in der heutigen Zeit wirklich den Herrn erwarte und ob er daraus seine Konsequenzen ziehe und sich bemühe, dem Herrn „den Weg zu bereiten“. Die Folgerungen müsse jeder selber ziehen, der erkenne, dass Gott für die Probleme der Welt und die seelische Not des Einzelnen eine Lösung habe. …………….






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